Freitag, 28. August 2009

Es geht los: Der fliegende Phillip

Mist, irgendwo muß sie doch sein! So langsam wurde Papa unruhig. Er suchte nun schon den ganzen Vormittag auf Opas Dachboden.Sie ist doch wohl nicht bei der letzten Entrümpelung weggekommen? Das wäre traurig, mehr als traurig!
Damals, als er noch ein kleiner Junge war, hatten Opa und er oft Stunden mit ihr verbracht. Der Fernseher und das Radio waren aus und beide hatten es sich gemütlich gemacht. Sie lauschten dem leisen Ticken und Surren der alten Zahnräder und Federn und hörten mit geschlossenen Augen der sanften Stimme, die so unendlich viele Geschichten erzählte, jede neu und wie aus einer anderen Welt, der Welt der Phantasie...

Doch die Maschine ließ sich einfach nicht finden, so sehr er auch die Kisten, Kartons und alten Schränke durchsuchte. Selbst Opa wußte nicht mehr, wo er sie zuletzt gesehen hatte. Er wußte nur noch, daß die Erzählmaschine an diesem letzten gemeinsamen Abend die Geschichte von der jungen Hexe Helena erzählte, welcher unter ihrem Hexenkessel das Feuer ausging...

So setzten sich Opa und Papa gemeinsam auf eine alte verstaubte Kiste und Opa begann eine fast vergessene Geschichte der Maschine zu erzählen...

"Weißt du, als du noch ein kleiner Junge warst, saßen wir eines Abends - ich glaube es war Sommer und es war ganz angenehm warm - zusammen mit Mama auf der Terrasse. Auf dem Tisch stand eine Kerze und Limonade. An diesem Tag hatte ich die Erzählmaschine erst wieder mit neuem Erzählsand gefüllt. Du weißt bestimmt noch, daß für jedes Märchen und jede Geschichte ein Sandkörnchen gebraucht wurde, denn in Allem steckt ein Körnchen Wahrheit.

Ich hatte die Maschine angeschaltet und mit ihrer etwas metallischen, aber ruhigen und angenehmen Stimme hat sie glaube ich Folgendes erzählt..."

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1. Die Geschichte vom fliegenden Phillip

Phillip hatte Ferien und genoß den Tag. Mama und Papa waren einige Zeit unterwegs und er war nun allein. Schön war es auf der Wiese im Gras zu liegen und die Käfer zu beobachten. Diesen Schmetterling dort kannte er: ein Admiral. Die mochte er besonders. Wie schön wäre es doch fliegen zu können! Wie der Schmetterling oder noch besser wie ein Vogel. Am besten ganz weit nach oben und auf einer Wolke reiten. Das wär´s !

Ein Rabe landete ein Stück von ihm im Gras und suchte sich seinen Mittagswurm. "Ach wenn ich doch wie du einfach so überall herumflattern könnte..." dachte Phillip. "Dann würde ich mit dir um die Wette fliegen. Du hast´s gut, Rabe!". "Dann flieg doch mit mir!" hörte Phillip eine krächzende Stimme. "Na komm, ich hab Zeit." "Kannst du etwa sprechen?" fragte Phillip ungläubig. "Nichts leichter als das. Ich kann sogar deine Gedanken hören. Wir Raben sind nicht umsonst die schlausten Vögel der Welt." "Oller Angeber", dachte Phillip und schaute den Raben verächtlich an. "Ich hab´s gehöhört!" lachte der Rabe krächzend. "Gut, pass auf: es gibt da so einen kleinen Zaubertrick. Nimm diese zwei Kiefernzapfen, die da vorn im Gras liegen." Und was soll ich damit?" "Nimm in jede Hand einen, schließe deine Hände und sprich mir nach: B*+***#'+#+". Leider sprach der Rabe den Zauberspruch so leise, daß nur unser Phillip ihn hören konnte. "Was denn, so einfach ist das?" "Naja, jetzt bewegst du noch deine Arme wie ein Vogel und dann sollte es auch schon klappen."

Und wirklich, Phillip hob ganz sanft vom Boden ab und flog höher und höher. "Ich bin ein Vogel, ein richtiger Vogel!" "Naja wenn du federn hättest und so einen schönen Schnabel wie ich, dann würde ich es ja einsehen, aber so?" "Warte du, ich fang dich jetzt, du oller Rabe!" lachte Phillip und flatterte mit seinen beiden Kiefernzapfen in der Hand dem Raben hinterher. Doch dieser ließ sich einfach nicht fangen. nur zum Schein wurde er langsamer, sodaß Phillip bis auf ein paar Meter an ihn herankam. Doch einfangen ließ er sich nicht.

"Ich, ich kann nicht mehr!" rief Phillip."Dann lass uns doch auf dieser Wolke dort landen!"krächzte der Rabe "Geht denn das?" "Natürlich, alles geht, wenn du daran glaubst!"

Die beiden landeten in einer wunderschönen Schäfchenwolke und machten es sich gemütlich. Phillip genoß die Aussicht über seinem Ort. Dort unten, das Haus mit dem blauen Dach, dort wohnte er mit seinen Eltern. "Du, ich laß dich jetzt mal für ein paar Minuten allein. Ich sehe gerade da unten eine wunderschöne Rabendame. Ich, ich bin gleich wieder da." sprach der Rabe und verschwand. Doch so schnell kam der Rabe nicht wieder. Phillip wurde langweilig. Er schaukelte auf der Wolke hin und her und beobachtete ein Liebespaar, das sich gerade küsste. "Na wartet, jetzt regnet es Kiefernzapfen." sprach´s und warf die beiden Kiefernzapfen Richtung Erdboden. Aber getroffen hatte er die Beiden trotzdem nicht. "Verdammt, daneben!" fluchte Phillip. "Verdammt, wie komme ich jetzt wieder zurück!!!"durchfuhr es ihn plötzlich. Hatte er doch soeben seine beiden Flugzapfen weggeworfen!

Langsam wurde es dunkel. Doch der Rabe kam und kam nicht zurück.Dieser turtelte lustig mit seiner neuen Rabenfreundin herum und hatte einfach unseren Jungen vergessen. Phillip rief und rief. Es  vergingen Minuten, die ihm wie Stunden vorkamen...

"Sag mal mein Freund: Hörst du das auch von da oben?" bemerkte auf  einmal des Raben neue Freundin. "Ups, da habe ich doch glatt etwas vergessen."

Die beiden Vögel saussten so schnell sie konnten nach oben zur Wolke und Phillip berichtete ihnen unter Tränen von seinem Missgeschick. Gleich darauf flogen die zwei Raben los und schon nach wenigen Minuten kamen sie zurück, jeder Vogel einen Zapfen im Schnabel. Phillip wollte schon losflattern und wäre fast von der Wolke gestürzt. Da erinnerte ihn der Rabe an den Zauberspruch, den ich leider nicht nicht gehört habe.

"Jetzt aber schnell! Meine Eltern kommen dort hinten gerade zurück ins Dorf!" Mit Volldampf flogen unsere drei Freunde hinunter zur Erde, landeten sanft und leise. In diesem Moment kam auch schon Mama hinters Haus. Zum Glück hatte sie nicht von der Landung mitbekommen...

"Und, Phillip, war´s schön? Oder hast du dich gelangweilt?" "Ach Mama, mein Tag war ziemlich ok, hab viel Spaß gehabt, aber jetzt tun mir meine Arme weh von fli..."  ... Zum Glück fiel Phillip noch ein, daß Erwachsene an so etwas nicht mehr glauben. Also behielt er sein Erlebnis für sich.





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"Ja, so oder ähnlich hat das die Maschine uns damals erzählt" sagte Opa. "Weißt du was? Wir suchen einfach morgen noch einmal in Ruhe im Keller, vielleicht ist sie ja dort..."