Vor langer Zeit stand auf einem Hügel ein uralter Eichenbaum. Er war weit über 1000 Jahre alt und hatte Vieles kommen und gehen gesehen. In seiner Nähe befand sich ein Wald, in dem kein einziger Baum älter als er war. Er kannte den Wald als kleine und zarte Schonung und hatte ihn schon viele Male wachsen gesehen. Und er kannte die Männer, die hin und wieder ein paar Stämme aus dem Wald mitnahmen, um daraus Dinge herzustellen oder ein Haus zu wärmen. Doch ihn hatte man über die Jahrhunderte stets verehrt und geschont. In seinem Schatten hatten Kinder gespielt und Eicheln gesammelt, Liebenspaare sich geküsst und einsame Menschen ihr Leid geklagt. Er hat glückliche Zeiten erlebt und schwere mit Kriegen und Krankheiten. Er war mit den Jahren ein mächtiger und stolzer Baum geworden. Wenn ihm auch der Sturm hin und wieder ein paar Äste stahl und ein paar freche Kinder Zweige abrissen, so störte ihn das kaum. Ja, man konnte sagen, dass er das älteste Lebewesen weit und breit war.
Doch nun spürte er, dass es zu Ende ging und ihm wurde bei diesem Gedanken etwas bange.
Eines grauen Morgens im Spätherbst, er hatte schon alle Blätter dem Nordwind geschenkt, stand der Tod an seinen Wurzeln und wollte ihn zu sich holen. „Du weißt, dass es an der Zeit ist?“ sagte der Tod mit seiner eisigen Stimme. „Ja, nur es ist so, dass ich mich frage, ob es nicht doch noch etwas für mich zu tun gibt. Habe ich alles erledigt, was notwendig war?“ fragte der Eichenbaum die schwarze Gestalt. „Du hast den Menschen einen guten Dienst erwiesen. Hast mit deinen Wurzeln das Wasser im Boden gehalten, damit ihre Felder und Wiesen nie austrocknen, hast ihnen Schatten gespendet. Sie haben sich an dir erfreut. Vögel wohnten in deinem Geäst. Du gabst ihnen Schutz. Deine Aufgabe ist erfüllt. Nun lass es gut sein.“ sprach der Tod.
„Ich würde so gern weiterwachsen und noch größer werden“ sagte der Baum. „Es gibt kein ewiges Wachsen. Alles was wächst, kehrt irgendwann zu seinem Anfang zurück. Das Alte macht Platzt für das Neue. Deine Zeit ist vorbei. Darum bin ich hier.“
„Was ist, wenn ich gestorben bin, wo bin ich da?“ fragte der Baum. „Du verwandelst dich. Du verschwindest nicht wirklich, Du nimmst Abschied von deinem Leben als Baum und kommst zurück, irgendwann. Es gibt keinen Grund, ängstlich zu sein. Komm!“ Mit diesen Worten hob der Tod seine Hand.
„Warte, bitte! Noch eine letzte Frage: Was wird von mir bleiben, wenn ich nicht mehr bin?“ „Die Erinnerungen an dich und deine Kinder. Schau, allein in diesem Jahr sind viele deiner Früchte aufgegangen und manche werden ebenfalls zu stolzen Eichen heranwachsen, wie du eine warst. Durch deine Kinder bist du unsterblich geworden.“ Der Baum wurde sehr nachdenklich und ruhig. Die Angst war einer inneren Ruhe und Stille gewichen. Jetzt war er bereit.
„Also gut. Ich wünsche mir nur noch, dass aus meinem Stamm etwas Nützliches gemacht wird und meine Zweige den Menschen im Winter Wärme spenden.“ „Das ist ein guter Wunsch. Er wird dir erfüllt werden.“ Mit diesen Worten erhob sich die dunkle Gestalt und begann mit ihrer Aufgabe.
Man sah ein mildes Licht emporsteigen, welches sich immer schneller in Richtung der aufgehenden Sonne entfernte.
"Die Erzählmaschine" ist eine Sammlung von kleinen Geschichten und Märchen. Diese sind ursprünglich Gute-Nacht-Geschichten, die ich meinen Kindern vorm Schlafengehen erzählt habe. Viele haben es noch nicht bis hierher geschafft, doch wenn die Zeit und Muse es zulässt, schreibe ich diese auf und veröffentliche sie an dieser Stelle. Für Anregungen und Kritiken bin ich sehr dankbar.
Dienstag, 13. April 2010
Die Frau aus Holz
In einem kleinen Wäldchen am Fuße des großen Berges wohnte einst ein junger Zwergenmann. Tagein tagaus hatte er in seinem Bergwerk zu tun, suchte nach Goldadern und Edelsteinen, eben Sachen, die Zwerge so tun…
Obwohl ihm seine Arbeit viel Freude bereitete und er dadurch auch Einiges an Wohlstand erreicht hatte, war er mit seinem Leben unzufrieden. Irgendetwas fehlte, oder besser gesagt, Irgendjemand. Eines Abends im Spätsommer saß er mit ein paar Freunden aus dem Dorf im Wirtshaus, aß ein Fischlein und genoss das gute Waldpilzbier. Die Freunde bemerkten, dass unser Zwerg melancholisch aus dem Fenster schaute und nachdachte. „Ich glaube, ich weiß was Dir fehlt. Du brauchst eine liebe Frau, die Dich aufmuntert und zum Lachen bringt!“ sagte der kleinste Zwerg am Tisch. „Ja, so eine die richtig gut kochen kann und mit der du kuscheln und streiten, tanzen und feiern kannst, wie meine Frau!“ sagte laut lachend der dickste Zwerg am Tisch und gab seiner Frau einen dicken Kuss auf die Wange. „Ach ich bin glücklich so wie es ist. Außerdem welche will mich schon! “ erwiderte der Zwergenmann, nahm seine Mütze und ging ohne sich zu verabschieden nach Hause.
In dieser Nacht konnte er nicht schlafen und als der Mond zum Fenster hereinschien, hatte er eine Idee. Obwohl es noch mitten in der Nacht war, sprang er aus dem Bett, zog sich an und lief mit seiner Axt in der Hand in den Wald. Bald hatte er gefunden, was er suchte: Ein Baumstamm, so groß und kräftig wie er. „Ja, du sollst meine Frau sein!“ sprachs und packte sich den Stamm auf die Schultern. War unser Zwergenmann jetzt verrückt geworden? Nein! Zu Hause angekommen, suchte er seine Schnitzmesser herbei und begann mit der Arbeit. Und als die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume fielen, war das Werk vollbracht: eine wunderschöne Zwergenfrau aus Fichtenholz stand vor ihm. Nun war er nicht mehr allein.
Nachdem er die Figur liebevoll bemalt hatte, stellte er sie in seinen kleinen Garten. Beim Nachhausekommen sagte er: „Guten Tag, liebe Frau! Wie war dein Tag?“ Und beim Verlassen rief er ihr einen Abschiedgruß zu. Doch so richtig glücklich war er immer noch nicht. Richtig! Sie konnte ja nicht antworten, weil sie nicht lebendig war. Also ging er zu seiner Bekannten, der Hexe Helena.
Helena war eine recht junge und liebe Hexe, großzügig und herzlich in ihrer Art, aber auch manchmal etwas durcheinander. Natürlich half sie unserem Zwergenmann und gab ihm auch ein grünes Pulver mit, welches er bei Sonnenuntergang auf die Holzfrau streuen sollte. „Aber denke daran, nicht eher, sonst wird sie eine böse Frau!“
Der Zwerg tat, wie Helena es ihm gesagt hatte. Das Wunder gelang und mit viel Geknack und Geknirsch bewegte sich die Holzfrau. „Na hallo, meine Schöne! Ich freu mich so, jetzt ein lebendiges Wesen in meinem Haus zu haben. Lass uns was leckeres zusammen kochen!“ Mit ungelenken Bewegungen bewegte sich das Holzwesen zum Herd und begann allerlei Unrat in einen Topf zu werfen. „Was tust du da?“ fragte der Zwerg entsetzt. „Ich koche. Du hast doch Hunger!“ Knarrte die Frau zurück. „Gut, das zeige ich dir dann ein andermal. Lass uns schlafen gehen.“ Seufzte der Zwerg traurig. Sie lagen zusammen in des Zwergen Bett, und als er sich an sie kuscheln wollte, stieß er sich sein Knie ein. „Aua, du bist aber hart!“ „Das ist eben so bei Holz.“ Antwortete die Holzfrau ungerührt.
Am nächsten Morgen wollten die beiden zusammen frühstücken. Doch die Holzfrau saß nur stumm auf ihrem Stuhl und schaute auf den Tisch. „Das war auch mal ein Baum. Genau wie ich. Ich möchte nicht deine Frau sein. Bitte lass mich einfach wieder ein Stück Holz sein.“ Sprach die Frau mit ihrer knarrenden Stimme. Nach langem Überlegen sprach der Zwerg, „Du hast Recht. Es war eine dumme Idee von mir. Wie kann ein Holzwesen wie du ein Herz haben. Wie kannst du mich vielleicht sogar lieben?“ sprach der Zwerg tief traurig, während er das Haus verließ.
Nachdem er seine Arbeit im Bergwerk getan hatte, begab er sich erneut zur Hexe Helena.
„Es hat nicht funktioniert!“ „Was ich habe dir das falsche Pulver gegeben? Ich habe doch ganz genau wie es in diesem Buch steht die Zutaten…“ jammerte Helena aufgebracht. „Nein, es war keine gute Idee. Ich kann mich nicht in ein Stück Holz verlieben! Gib mir bitte den Gegenzauber!“ Helena gab ihm ein rotes Pulver mit, welches er diesmal bei Sonnenuntergang anwenden sollte, damit das Holzwesen wieder eine einfache Holzfigur werden konnte.
Er tat alles so, wie es ihm gesagt wurde. Nur ein leises „Danke!“ konnte er von der Holzfrau noch vernehmen. Dann wurde es still im Haus. Lange dachte er nach. „Wenn du mir schon keine Liebe schenken konntest, dann spende mir wenigstens Wärme in der Nacht!“ sprachs und trug die Figur zum Holzbock, wo er sie mit wenigen kräftigen Schlägen zu Brennholz spaltete.
Er machte sich ein Feuer vor seinem Haus und blickte traurig in die Flammen. Leise knisternd stiegen die Funken in den Himmel auf und als er schon halb im schlaf war, hörte er noch einmal die Stimme der Frau aus Holz. „Du wirst bald glücklich sein, sehr bald…“
Und während ihn ein paar kleine Tränen aus den Augen liefen, schlief er tief und fest auf seiner Gartenbank ein.
Der Morgen kam und unser Zwerg wurde durch einen angenehmen Duft geweckt. Pilzkaffee! Den hatte er so lange nicht mehr gehabt! Aber wer hatte ihm…
Er schlug die Augen auf und vor ihm stand eine wunderhübsche zierliche Zwergenfrau, die er schon einige Male im Dorf gesehen hatte. „Du warst zu lange allein und da dachte ich…“
Wie die Geschichte weiterging, weiß ich nicht. Doch ich glaube, die beiden wurden ein glückliches Paar und lebten noch viele viele Jahre zusammen.
Obwohl ihm seine Arbeit viel Freude bereitete und er dadurch auch Einiges an Wohlstand erreicht hatte, war er mit seinem Leben unzufrieden. Irgendetwas fehlte, oder besser gesagt, Irgendjemand. Eines Abends im Spätsommer saß er mit ein paar Freunden aus dem Dorf im Wirtshaus, aß ein Fischlein und genoss das gute Waldpilzbier. Die Freunde bemerkten, dass unser Zwerg melancholisch aus dem Fenster schaute und nachdachte. „Ich glaube, ich weiß was Dir fehlt. Du brauchst eine liebe Frau, die Dich aufmuntert und zum Lachen bringt!“ sagte der kleinste Zwerg am Tisch. „Ja, so eine die richtig gut kochen kann und mit der du kuscheln und streiten, tanzen und feiern kannst, wie meine Frau!“ sagte laut lachend der dickste Zwerg am Tisch und gab seiner Frau einen dicken Kuss auf die Wange. „Ach ich bin glücklich so wie es ist. Außerdem welche will mich schon! “ erwiderte der Zwergenmann, nahm seine Mütze und ging ohne sich zu verabschieden nach Hause.
In dieser Nacht konnte er nicht schlafen und als der Mond zum Fenster hereinschien, hatte er eine Idee. Obwohl es noch mitten in der Nacht war, sprang er aus dem Bett, zog sich an und lief mit seiner Axt in der Hand in den Wald. Bald hatte er gefunden, was er suchte: Ein Baumstamm, so groß und kräftig wie er. „Ja, du sollst meine Frau sein!“ sprachs und packte sich den Stamm auf die Schultern. War unser Zwergenmann jetzt verrückt geworden? Nein! Zu Hause angekommen, suchte er seine Schnitzmesser herbei und begann mit der Arbeit. Und als die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume fielen, war das Werk vollbracht: eine wunderschöne Zwergenfrau aus Fichtenholz stand vor ihm. Nun war er nicht mehr allein.
Nachdem er die Figur liebevoll bemalt hatte, stellte er sie in seinen kleinen Garten. Beim Nachhausekommen sagte er: „Guten Tag, liebe Frau! Wie war dein Tag?“ Und beim Verlassen rief er ihr einen Abschiedgruß zu. Doch so richtig glücklich war er immer noch nicht. Richtig! Sie konnte ja nicht antworten, weil sie nicht lebendig war. Also ging er zu seiner Bekannten, der Hexe Helena.
Helena war eine recht junge und liebe Hexe, großzügig und herzlich in ihrer Art, aber auch manchmal etwas durcheinander. Natürlich half sie unserem Zwergenmann und gab ihm auch ein grünes Pulver mit, welches er bei Sonnenuntergang auf die Holzfrau streuen sollte. „Aber denke daran, nicht eher, sonst wird sie eine böse Frau!“
Der Zwerg tat, wie Helena es ihm gesagt hatte. Das Wunder gelang und mit viel Geknack und Geknirsch bewegte sich die Holzfrau. „Na hallo, meine Schöne! Ich freu mich so, jetzt ein lebendiges Wesen in meinem Haus zu haben. Lass uns was leckeres zusammen kochen!“ Mit ungelenken Bewegungen bewegte sich das Holzwesen zum Herd und begann allerlei Unrat in einen Topf zu werfen. „Was tust du da?“ fragte der Zwerg entsetzt. „Ich koche. Du hast doch Hunger!“ Knarrte die Frau zurück. „Gut, das zeige ich dir dann ein andermal. Lass uns schlafen gehen.“ Seufzte der Zwerg traurig. Sie lagen zusammen in des Zwergen Bett, und als er sich an sie kuscheln wollte, stieß er sich sein Knie ein. „Aua, du bist aber hart!“ „Das ist eben so bei Holz.“ Antwortete die Holzfrau ungerührt.
Am nächsten Morgen wollten die beiden zusammen frühstücken. Doch die Holzfrau saß nur stumm auf ihrem Stuhl und schaute auf den Tisch. „Das war auch mal ein Baum. Genau wie ich. Ich möchte nicht deine Frau sein. Bitte lass mich einfach wieder ein Stück Holz sein.“ Sprach die Frau mit ihrer knarrenden Stimme. Nach langem Überlegen sprach der Zwerg, „Du hast Recht. Es war eine dumme Idee von mir. Wie kann ein Holzwesen wie du ein Herz haben. Wie kannst du mich vielleicht sogar lieben?“ sprach der Zwerg tief traurig, während er das Haus verließ.
Nachdem er seine Arbeit im Bergwerk getan hatte, begab er sich erneut zur Hexe Helena.
„Es hat nicht funktioniert!“ „Was ich habe dir das falsche Pulver gegeben? Ich habe doch ganz genau wie es in diesem Buch steht die Zutaten…“ jammerte Helena aufgebracht. „Nein, es war keine gute Idee. Ich kann mich nicht in ein Stück Holz verlieben! Gib mir bitte den Gegenzauber!“ Helena gab ihm ein rotes Pulver mit, welches er diesmal bei Sonnenuntergang anwenden sollte, damit das Holzwesen wieder eine einfache Holzfigur werden konnte.
Er tat alles so, wie es ihm gesagt wurde. Nur ein leises „Danke!“ konnte er von der Holzfrau noch vernehmen. Dann wurde es still im Haus. Lange dachte er nach. „Wenn du mir schon keine Liebe schenken konntest, dann spende mir wenigstens Wärme in der Nacht!“ sprachs und trug die Figur zum Holzbock, wo er sie mit wenigen kräftigen Schlägen zu Brennholz spaltete.
Er machte sich ein Feuer vor seinem Haus und blickte traurig in die Flammen. Leise knisternd stiegen die Funken in den Himmel auf und als er schon halb im schlaf war, hörte er noch einmal die Stimme der Frau aus Holz. „Du wirst bald glücklich sein, sehr bald…“
Und während ihn ein paar kleine Tränen aus den Augen liefen, schlief er tief und fest auf seiner Gartenbank ein.
Der Morgen kam und unser Zwerg wurde durch einen angenehmen Duft geweckt. Pilzkaffee! Den hatte er so lange nicht mehr gehabt! Aber wer hatte ihm…
Er schlug die Augen auf und vor ihm stand eine wunderhübsche zierliche Zwergenfrau, die er schon einige Male im Dorf gesehen hatte. „Du warst zu lange allein und da dachte ich…“
Wie die Geschichte weiterging, weiß ich nicht. Doch ich glaube, die beiden wurden ein glückliches Paar und lebten noch viele viele Jahre zusammen.
Vom Blümchen das nicht wachsen wollte
Kurz nachdem die wärmenden Sonnenstrahlen des noch jungen Jahres das Eis zum Schmelzen brachte und die ersten grünen Fleckchen hervortraten, erwachte wieder das Leben auf der Wiese. Der Winter war lang und hart und die Tiere und Pflanzen freuten sich auf die kommende Zeit. Die ersten Schneeglöckchen zeigten sich und ein paar Gräser richteten sich wieder auf. Insekten krochen aus Ihren Verstecken und wurden oftmals sogleich die leichte Beute hungriger Vögel.
So kam das Frühjahr heran und überall begann es zu wachsen und zu blühen. Überall auf der Wiese begannen Blumen zu wachsen. Nur eine Blume hat so gar nicht Lust, Ihren Kopf zu recken und Sonne zu tanken, und fleißig zu wachsen. Es war einfach zu faul. Stattdessen schnatterte es mit den kleinen Moosblüten in der Nähe ihrer Wurzeln herum und wollte auch niht die Ermahnungen der anderen Blumen hören. „Wenn du nicht wachsen willst, dann wird es noch ein schlimmes Ende mit dir nehmen!“ warnten sie die anderen. Doch unserer faulen Blume war das gleich.
Die Zeit verging und die Blumen wurden größer und prächtiger. Einige von ihnen waren besonders groß, denn sie waren Sonnenblumen. Und während es den anderen Blumen wunderbar ging, fühlte sich die faule Blume immer schlechter und schwächer. „Dir fehlt das Sonnenlicht! Schade, du hättest auch so eine schöne große Sonnenblume werden können, wie die anderen. Aber so wird dich der Gärtner als welkes, krankes Ding bald herausreissen.“ Meinte ein Marienkäfer, der gerade durch die Wiese lief. „Aber was soll ich denn tun? Ich will doch nicht sterben! Du musst mir doch helfen!“ „Ich kann dir nicht helfen, das kannst du nur alleine schaffen. Frag heute Nacht die Glühwürmchen. Vielleicht haben die eine Idee.“
Die Nacht brach an und mit ihr begann auch der Tanz der Glühwürmchen. Und als sich eines bei unserem traurigen Blümchen verirrte, fragte sie es. „Das ist gut, dass du deine Faulheit bereust. Du spürst ja, was es dir eingebracht hat. Aber du hast Glück, wir haben Vollmond. Sieh immer auf den Mond! Spüre, wie er dich zu sich herauf zieht! Das wird dir helfen.“ Sprach das Glühwürmchen und war verschwunden, ehe das Blümchen sich bedanken konnte.
„Also gut!“ sagte sich das Blümchen. „Ich schaffe das!“ Es schaute auf zum Mond und nach einer Weile spürte es, wie es in ihm kribbelte und krabbelte, so als ob tausend Ameisen durch sie hindurch marschieren würden. Es begann zu wachsen, zuerst nur ein kleines Stück, aber dann immer schneller und schneller. Und es wuchs unglaublich schnell. Während die anderen Blumen schliefen, wuchs es über deren Köpfe hinaus, war bald größer wie die größte Sonnenblume im Garten, größer als die Bäume. Und es wuchs weiter und weiter. Der Mond wurde immer größer, je näher es ihm kam. Es war ein wunderbares Gefühl zu wachsen. Und bald reichte es bis zum Mond.
„Was machst du hier? Gehörst du nicht auf die Erde?“ fragte der Mond erstaunt. „Ich stehe mit meinen Wurzeln unten auf der Erde und mein Blütenkelch ist jetzt bei dir hier oben. Ich möchte mich bedanken, daß du mir das Leben gerettet hast.“ „Ich habe nichts getan. Ich leuchte schon immer, aber nur wenn die Sonne mich anstrahlt. Sonst bin auch ich dunkel. Und das mit dem Wachsen, gut, etwas geholfen habe ich dir. Ich hatte dich beobachtet und du tatest mir leid. Aber das meiste hast du ganz alleine geschafft. Du kannst wirklich stolz auf dich sein. Das kommt höchstens aller 100 Jahre einmal vor, dass eine Blume bis zu mir hochwächst. Doch es ist jedes Mal schön.“ „Und jetzt? Was passiert jetzt?“ „Jetzt wirst du wieder kleiner.“ Nein! Das möchte ich nicht!“ „Ach, du wirst nur wieder so klein, wie die größte Sonnenblume in deinem Garten. Die anderen werden staunen, wenn sie am Morgen erwachen.“
Und so war es denn auch. Keiner hatte von dem Wunder in der Nacht etwas mitbekommen. Aber alle staunten und freuten sich, dass unser faules Blümchen sich doch noch entschlossen hatte, groß und stark zu werden.
So kam das Frühjahr heran und überall begann es zu wachsen und zu blühen. Überall auf der Wiese begannen Blumen zu wachsen. Nur eine Blume hat so gar nicht Lust, Ihren Kopf zu recken und Sonne zu tanken, und fleißig zu wachsen. Es war einfach zu faul. Stattdessen schnatterte es mit den kleinen Moosblüten in der Nähe ihrer Wurzeln herum und wollte auch niht die Ermahnungen der anderen Blumen hören. „Wenn du nicht wachsen willst, dann wird es noch ein schlimmes Ende mit dir nehmen!“ warnten sie die anderen. Doch unserer faulen Blume war das gleich.
Die Zeit verging und die Blumen wurden größer und prächtiger. Einige von ihnen waren besonders groß, denn sie waren Sonnenblumen. Und während es den anderen Blumen wunderbar ging, fühlte sich die faule Blume immer schlechter und schwächer. „Dir fehlt das Sonnenlicht! Schade, du hättest auch so eine schöne große Sonnenblume werden können, wie die anderen. Aber so wird dich der Gärtner als welkes, krankes Ding bald herausreissen.“ Meinte ein Marienkäfer, der gerade durch die Wiese lief. „Aber was soll ich denn tun? Ich will doch nicht sterben! Du musst mir doch helfen!“ „Ich kann dir nicht helfen, das kannst du nur alleine schaffen. Frag heute Nacht die Glühwürmchen. Vielleicht haben die eine Idee.“
Die Nacht brach an und mit ihr begann auch der Tanz der Glühwürmchen. Und als sich eines bei unserem traurigen Blümchen verirrte, fragte sie es. „Das ist gut, dass du deine Faulheit bereust. Du spürst ja, was es dir eingebracht hat. Aber du hast Glück, wir haben Vollmond. Sieh immer auf den Mond! Spüre, wie er dich zu sich herauf zieht! Das wird dir helfen.“ Sprach das Glühwürmchen und war verschwunden, ehe das Blümchen sich bedanken konnte.
„Also gut!“ sagte sich das Blümchen. „Ich schaffe das!“ Es schaute auf zum Mond und nach einer Weile spürte es, wie es in ihm kribbelte und krabbelte, so als ob tausend Ameisen durch sie hindurch marschieren würden. Es begann zu wachsen, zuerst nur ein kleines Stück, aber dann immer schneller und schneller. Und es wuchs unglaublich schnell. Während die anderen Blumen schliefen, wuchs es über deren Köpfe hinaus, war bald größer wie die größte Sonnenblume im Garten, größer als die Bäume. Und es wuchs weiter und weiter. Der Mond wurde immer größer, je näher es ihm kam. Es war ein wunderbares Gefühl zu wachsen. Und bald reichte es bis zum Mond.
„Was machst du hier? Gehörst du nicht auf die Erde?“ fragte der Mond erstaunt. „Ich stehe mit meinen Wurzeln unten auf der Erde und mein Blütenkelch ist jetzt bei dir hier oben. Ich möchte mich bedanken, daß du mir das Leben gerettet hast.“ „Ich habe nichts getan. Ich leuchte schon immer, aber nur wenn die Sonne mich anstrahlt. Sonst bin auch ich dunkel. Und das mit dem Wachsen, gut, etwas geholfen habe ich dir. Ich hatte dich beobachtet und du tatest mir leid. Aber das meiste hast du ganz alleine geschafft. Du kannst wirklich stolz auf dich sein. Das kommt höchstens aller 100 Jahre einmal vor, dass eine Blume bis zu mir hochwächst. Doch es ist jedes Mal schön.“ „Und jetzt? Was passiert jetzt?“ „Jetzt wirst du wieder kleiner.“ Nein! Das möchte ich nicht!“ „Ach, du wirst nur wieder so klein, wie die größte Sonnenblume in deinem Garten. Die anderen werden staunen, wenn sie am Morgen erwachen.“
Und so war es denn auch. Keiner hatte von dem Wunder in der Nacht etwas mitbekommen. Aber alle staunten und freuten sich, dass unser faules Blümchen sich doch noch entschlossen hatte, groß und stark zu werden.
Der fliegende Phillip und die singenden Raben
Wieder einmal waren Ferien. Phillip saß auf der Wiese und untersuchte mit seiner Lupe den Boden nach Käfern, kleinen Spinnen und anderen Insekten. Da merkte er ein leichtes Piksen an seinem Rücken. Und als er sich umdrehte, war hinter ihm sein Freund der Rabe, welcher ihm im vorigen Sommer das Fliegen mit Kiefernzapfen beigebracht hatte. „Ach du bist! Und ich dachte schon, jetzt hat mich so eine blöde Bremse gestochen!“ „Na, ich habe dich hier sitzen sehen und wollte dich nicht erschrecken. Da dachte ich…“ antwortete der Rabe. „Das kommt raus, wenn Raben denken!“ lachte Phillip „Aber es ist schön, daß du mich wieder mal besuchen kommst. Was hast du denn so lange gemacht?“ „Du kennst doch noch meine Freundin. Und wir haben jetzt fünf Kinder. Und das ist bei uns Raben auch sehr viel. Du glaubst gar nicht, wie hungrig die sind! Den ganzen Tag fliege ich herum, um Futter zu beschaffen. Meine Frau kümmert sich um das Nest und um die Ausbildung und jetzt wollen die Kinder auch noch singen lernen. Stelle dir das einmal vor! Meine Kinder wollen singen! Wir Raben können krächzen und manchmal sprechen, aber singen können doch höchstens Nachtigallen und…“ lamentierte der Rabe aufgeregt. „Warte mal. Das ist ja verrückt. Deine Kinder möchte ich mal kennen lernen. Du, was hältst du davon, wenn wir morgen zusammen zu deinem Nest fliegen und du mir deine Familie zeigst und vielleicht kann ich euch helfen. Nein, ich werde euch helfen! Ich bringe deinen Kindern das Singen bei!“ rief Phillip voller Vorfreude.
Am nächsten Tag, Mama und Papa waren auf Arbeit, kam der Rabe pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt zur Wiese geflogen. Und bereits nach kurzer Zeit sah man einen kleinen Jungen gemeinsam mit einem Raben in Richtung Wald fliegen. Dort angekommen, stellte der stolze Rabenvater Phillip seine Kinder und seine Frau vor. „Phillip du glaubst gar nicht, wie anstrengend es ist den ganzen Tag mit dieser Rasselbande zusammen zu sein. Alles muss ich dreimal sagen und ständig gibt es was. Entweder schubst die Große den Kleinsten aus dem Nest, oder sie rupfen sich gegenseitig die Federn aus…“ erzählte erregt die Rabenmutter. „Wie meine Mutter!“ seufzte Phillip in Richtung der Rabenkinder. „Die wollen doch nur spielen!“ Darauf lachten die Rabenkinder so laut, dass die anderen Vögel in der Nähe davonflogen.
„Gut, ihr wollt also wirklich singen lernen?“ fragte Phillip ungläubig. „JAAAAAAAAAAAAA!“ krächzte es ihm aus 5 Rabenhälsen entgegen. Und es hörte sich nicht wirklich gut an. „Dürfen wir auch ein paar Freunde mitbringen? Büüüüüütttttteeeeee!“ bettelte der Kleinste und hielt sein Köpfchen leicht schräg dabei. „Meinetwegen, das wird wahrscheinlich schwierig, aber bestimmt auch sehr lustig. Kommt einfach morgen Vormittag zu mir auf die Wiese und dann fangen wir zu üben an. Ich denke mir was Lustiges für euch aus…“
Am nächsten Tag trafen sich alle auf der Wiese. Phillip war bereits da, als er auf einmal eine schwarze Wolke heranziehen sah. Hunderte Rabenvögel flogen durch die Luft und landeten auf seiner Wiese. Plötzlich war es ganz still und nur der Sommerwind wehte leise durch die Bäume. Hunderte Augenpaare waren auf Phillip gerichtet und alle Rabenkinder warteten darauf, dass es losginge. „Also, schön dass ihr gekommen seid. Ich wusste gar nicht, dass so viele Raben singen lernen wollen. Ich habe mir überlegt, wir lernen zusammen ein einfaches Lied. Was haltet ihr von ,Alle meine Entchen‘ ?“ fragte Phillip in die Runde. „Enten sind fett und doof!“ „Die haben so komische Schnäbel!“ „Ich kann Enten auch nicht leiden. Die schnattern so!“ Kam es als Antwort zurück. „Also ich finde Enten schön. Und außerdem haben sie so bunte Federn.“ Sagte Phillip. „Aber gut, dann nehmen wir von dem Lied nur die Melodie und singen einen anderen Text. Ich hab mir da mal gestern was ausgedacht:
Alle meine Raben singen laut im Gras,
singen laut im Gras.
Klingt´s auch ziemlich schrecklich,
macht es doch viel Spaß.“
„Ja, das wollen wir singen!“ „Das ist lustig!“ „Unser Rabenlied, hurra!“ riefen die Rabenkinder ihm zu.
Also begann Phillip mit den Raben zu üben. Zuerst einzelne Töne und später kleine Melodiefolgen. Es sollte sich schwieriger als gedacht erweisen, weil Raben keine Sänger sind, doch alle hatten richtig viel Freude und gaben sich unglaublich Mühe. So wurde es Nachmittag und unser Rabenchor klang schon recht gut. Ein hundertfaches melodisches Krächzen schallte über die Wiese. Man kann es nicht beschreiben, man musste es gehört haben.
„Meine Eltern! Ihr müsst verschwinden! Sofort!“ Das Auto von Phillips Eltern stand schon auf dem Hof. Gleich würden sie hinters Haus auf die Wiese kommen! Wie auf ein Kommando erhoben sich alle Raben und flogen im Schwarm zurück zum Wald. „Phillip, mein Großer!“ kam Mama auf ihn zu um ihm zu umarmen. „Hast du die vielen Krähen gesehen?“ „Das waren Rabenkinder. Ähm, nein, warum?“ stotterte Phillip. „Na das waren so viele. Egal, was machen wir heute zum Abendbrot? Hilfst du mir?“ Mama hatte es schon wieder vergessen und hatte schon wieder andere Dinge im Kopf. Eltern!
In der Nacht klopfte es an Phillips Fenster. Draußen saß der Rabe und wollte herein. „Meine Kinder und ihre Freunde sind begeistert von dir und ich bin dir sehr dankbar! Du bist ein richtiger Freund! “ „Das hat mir auch richtig Spaß gemacht. Ich bin jetzt Leiter von Rabenchor!“ „Und darum wollen wir morgen Nachmittag für dich ein kleines Konzert geben. Es werden noch ein paar unserer Freunde mitkommen. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich?“ fragte der Rabe. „Ja klar, das wird bestimmt lustig.“
Den ganzen Tag wartete Phillip ungeduldig auf seine schwarzen Freunde und als diese pünktlich angeflogen kamen, traute er seinen Augen nicht. Nicht hunderte sondern abertausend Vögel müssen es gewesen sein! Der wolkenfreie blaue Sommerhimmel wurde auf einmal schwarz und ein unheimliches Rauschen und Krächzen erfüllte die Luft. Als endlich alle Vögel auf der Wiese gelandet waren, stand Phillip vor einem großen schwarzen Feld von Raben. Ihm wurde etwas bange. Doch zum Glück kam sein Freund der Rabe auf ihn zu und sagte:“ Wir haben da etwas vorbreitet. Wir singen dein Rabenlied alle zusammen. Also die, die singen können. Und wir haben uns ein paar weitere Strophen dazu ausgedacht. Ich hoffe, es gefällt dir.“
In diesem Moment begann der seltsame Chor das Lied zu singen, oder besser: zu krächzen. Es klang so, als ob tausend heißere Kinder singen, aber es war „Gesang“. Das Lied ging viele viele Strophen, die ich hier alle gar nicht aufschreiben kann. Und vielleicht fällt Dir eine weitere ein?
Als die Eltern an diesem Tag nach Hause kamen, waren die Vögel gerade weggeflogen. Nur wunderte man sich im Dorf über diesen riesengroßen Vogelschwarm, machte sich aber, wie so oft, keine größeren Gedanken und ging wieder den alltäglichen Dingen nach.
Am nächsten Tag, Mama und Papa waren auf Arbeit, kam der Rabe pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt zur Wiese geflogen. Und bereits nach kurzer Zeit sah man einen kleinen Jungen gemeinsam mit einem Raben in Richtung Wald fliegen. Dort angekommen, stellte der stolze Rabenvater Phillip seine Kinder und seine Frau vor. „Phillip du glaubst gar nicht, wie anstrengend es ist den ganzen Tag mit dieser Rasselbande zusammen zu sein. Alles muss ich dreimal sagen und ständig gibt es was. Entweder schubst die Große den Kleinsten aus dem Nest, oder sie rupfen sich gegenseitig die Federn aus…“ erzählte erregt die Rabenmutter. „Wie meine Mutter!“ seufzte Phillip in Richtung der Rabenkinder. „Die wollen doch nur spielen!“ Darauf lachten die Rabenkinder so laut, dass die anderen Vögel in der Nähe davonflogen.
„Gut, ihr wollt also wirklich singen lernen?“ fragte Phillip ungläubig. „JAAAAAAAAAAAAA!“ krächzte es ihm aus 5 Rabenhälsen entgegen. Und es hörte sich nicht wirklich gut an. „Dürfen wir auch ein paar Freunde mitbringen? Büüüüüütttttteeeeee!“ bettelte der Kleinste und hielt sein Köpfchen leicht schräg dabei. „Meinetwegen, das wird wahrscheinlich schwierig, aber bestimmt auch sehr lustig. Kommt einfach morgen Vormittag zu mir auf die Wiese und dann fangen wir zu üben an. Ich denke mir was Lustiges für euch aus…“
Am nächsten Tag trafen sich alle auf der Wiese. Phillip war bereits da, als er auf einmal eine schwarze Wolke heranziehen sah. Hunderte Rabenvögel flogen durch die Luft und landeten auf seiner Wiese. Plötzlich war es ganz still und nur der Sommerwind wehte leise durch die Bäume. Hunderte Augenpaare waren auf Phillip gerichtet und alle Rabenkinder warteten darauf, dass es losginge. „Also, schön dass ihr gekommen seid. Ich wusste gar nicht, dass so viele Raben singen lernen wollen. Ich habe mir überlegt, wir lernen zusammen ein einfaches Lied. Was haltet ihr von ,Alle meine Entchen‘ ?“ fragte Phillip in die Runde. „Enten sind fett und doof!“ „Die haben so komische Schnäbel!“ „Ich kann Enten auch nicht leiden. Die schnattern so!“ Kam es als Antwort zurück. „Also ich finde Enten schön. Und außerdem haben sie so bunte Federn.“ Sagte Phillip. „Aber gut, dann nehmen wir von dem Lied nur die Melodie und singen einen anderen Text. Ich hab mir da mal gestern was ausgedacht:
Alle meine Raben singen laut im Gras,
singen laut im Gras.
Klingt´s auch ziemlich schrecklich,
macht es doch viel Spaß.“
„Ja, das wollen wir singen!“ „Das ist lustig!“ „Unser Rabenlied, hurra!“ riefen die Rabenkinder ihm zu.
Also begann Phillip mit den Raben zu üben. Zuerst einzelne Töne und später kleine Melodiefolgen. Es sollte sich schwieriger als gedacht erweisen, weil Raben keine Sänger sind, doch alle hatten richtig viel Freude und gaben sich unglaublich Mühe. So wurde es Nachmittag und unser Rabenchor klang schon recht gut. Ein hundertfaches melodisches Krächzen schallte über die Wiese. Man kann es nicht beschreiben, man musste es gehört haben.
„Meine Eltern! Ihr müsst verschwinden! Sofort!“ Das Auto von Phillips Eltern stand schon auf dem Hof. Gleich würden sie hinters Haus auf die Wiese kommen! Wie auf ein Kommando erhoben sich alle Raben und flogen im Schwarm zurück zum Wald. „Phillip, mein Großer!“ kam Mama auf ihn zu um ihm zu umarmen. „Hast du die vielen Krähen gesehen?“ „Das waren Rabenkinder. Ähm, nein, warum?“ stotterte Phillip. „Na das waren so viele. Egal, was machen wir heute zum Abendbrot? Hilfst du mir?“ Mama hatte es schon wieder vergessen und hatte schon wieder andere Dinge im Kopf. Eltern!
In der Nacht klopfte es an Phillips Fenster. Draußen saß der Rabe und wollte herein. „Meine Kinder und ihre Freunde sind begeistert von dir und ich bin dir sehr dankbar! Du bist ein richtiger Freund! “ „Das hat mir auch richtig Spaß gemacht. Ich bin jetzt Leiter von Rabenchor!“ „Und darum wollen wir morgen Nachmittag für dich ein kleines Konzert geben. Es werden noch ein paar unserer Freunde mitkommen. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich?“ fragte der Rabe. „Ja klar, das wird bestimmt lustig.“
Den ganzen Tag wartete Phillip ungeduldig auf seine schwarzen Freunde und als diese pünktlich angeflogen kamen, traute er seinen Augen nicht. Nicht hunderte sondern abertausend Vögel müssen es gewesen sein! Der wolkenfreie blaue Sommerhimmel wurde auf einmal schwarz und ein unheimliches Rauschen und Krächzen erfüllte die Luft. Als endlich alle Vögel auf der Wiese gelandet waren, stand Phillip vor einem großen schwarzen Feld von Raben. Ihm wurde etwas bange. Doch zum Glück kam sein Freund der Rabe auf ihn zu und sagte:“ Wir haben da etwas vorbreitet. Wir singen dein Rabenlied alle zusammen. Also die, die singen können. Und wir haben uns ein paar weitere Strophen dazu ausgedacht. Ich hoffe, es gefällt dir.“
In diesem Moment begann der seltsame Chor das Lied zu singen, oder besser: zu krächzen. Es klang so, als ob tausend heißere Kinder singen, aber es war „Gesang“. Das Lied ging viele viele Strophen, die ich hier alle gar nicht aufschreiben kann. Und vielleicht fällt Dir eine weitere ein?
Als die Eltern an diesem Tag nach Hause kamen, waren die Vögel gerade weggeflogen. Nur wunderte man sich im Dorf über diesen riesengroßen Vogelschwarm, machte sich aber, wie so oft, keine größeren Gedanken und ging wieder den alltäglichen Dingen nach.
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