In einem kleinen Wäldchen am Fuße des großen Berges wohnte einst ein junger Zwergenmann. Tagein tagaus hatte er in seinem Bergwerk zu tun, suchte nach Goldadern und Edelsteinen, eben Sachen, die Zwerge so tun…
Obwohl ihm seine Arbeit viel Freude bereitete und er dadurch auch Einiges an Wohlstand erreicht hatte, war er mit seinem Leben unzufrieden. Irgendetwas fehlte, oder besser gesagt, Irgendjemand. Eines Abends im Spätsommer saß er mit ein paar Freunden aus dem Dorf im Wirtshaus, aß ein Fischlein und genoss das gute Waldpilzbier. Die Freunde bemerkten, dass unser Zwerg melancholisch aus dem Fenster schaute und nachdachte. „Ich glaube, ich weiß was Dir fehlt. Du brauchst eine liebe Frau, die Dich aufmuntert und zum Lachen bringt!“ sagte der kleinste Zwerg am Tisch. „Ja, so eine die richtig gut kochen kann und mit der du kuscheln und streiten, tanzen und feiern kannst, wie meine Frau!“ sagte laut lachend der dickste Zwerg am Tisch und gab seiner Frau einen dicken Kuss auf die Wange. „Ach ich bin glücklich so wie es ist. Außerdem welche will mich schon! “ erwiderte der Zwergenmann, nahm seine Mütze und ging ohne sich zu verabschieden nach Hause.
In dieser Nacht konnte er nicht schlafen und als der Mond zum Fenster hereinschien, hatte er eine Idee. Obwohl es noch mitten in der Nacht war, sprang er aus dem Bett, zog sich an und lief mit seiner Axt in der Hand in den Wald. Bald hatte er gefunden, was er suchte: Ein Baumstamm, so groß und kräftig wie er. „Ja, du sollst meine Frau sein!“ sprachs und packte sich den Stamm auf die Schultern. War unser Zwergenmann jetzt verrückt geworden? Nein! Zu Hause angekommen, suchte er seine Schnitzmesser herbei und begann mit der Arbeit. Und als die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume fielen, war das Werk vollbracht: eine wunderschöne Zwergenfrau aus Fichtenholz stand vor ihm. Nun war er nicht mehr allein.
Nachdem er die Figur liebevoll bemalt hatte, stellte er sie in seinen kleinen Garten. Beim Nachhausekommen sagte er: „Guten Tag, liebe Frau! Wie war dein Tag?“ Und beim Verlassen rief er ihr einen Abschiedgruß zu. Doch so richtig glücklich war er immer noch nicht. Richtig! Sie konnte ja nicht antworten, weil sie nicht lebendig war. Also ging er zu seiner Bekannten, der Hexe Helena.
Helena war eine recht junge und liebe Hexe, großzügig und herzlich in ihrer Art, aber auch manchmal etwas durcheinander. Natürlich half sie unserem Zwergenmann und gab ihm auch ein grünes Pulver mit, welches er bei Sonnenuntergang auf die Holzfrau streuen sollte. „Aber denke daran, nicht eher, sonst wird sie eine böse Frau!“
Der Zwerg tat, wie Helena es ihm gesagt hatte. Das Wunder gelang und mit viel Geknack und Geknirsch bewegte sich die Holzfrau. „Na hallo, meine Schöne! Ich freu mich so, jetzt ein lebendiges Wesen in meinem Haus zu haben. Lass uns was leckeres zusammen kochen!“ Mit ungelenken Bewegungen bewegte sich das Holzwesen zum Herd und begann allerlei Unrat in einen Topf zu werfen. „Was tust du da?“ fragte der Zwerg entsetzt. „Ich koche. Du hast doch Hunger!“ Knarrte die Frau zurück. „Gut, das zeige ich dir dann ein andermal. Lass uns schlafen gehen.“ Seufzte der Zwerg traurig. Sie lagen zusammen in des Zwergen Bett, und als er sich an sie kuscheln wollte, stieß er sich sein Knie ein. „Aua, du bist aber hart!“ „Das ist eben so bei Holz.“ Antwortete die Holzfrau ungerührt.
Am nächsten Morgen wollten die beiden zusammen frühstücken. Doch die Holzfrau saß nur stumm auf ihrem Stuhl und schaute auf den Tisch. „Das war auch mal ein Baum. Genau wie ich. Ich möchte nicht deine Frau sein. Bitte lass mich einfach wieder ein Stück Holz sein.“ Sprach die Frau mit ihrer knarrenden Stimme. Nach langem Überlegen sprach der Zwerg, „Du hast Recht. Es war eine dumme Idee von mir. Wie kann ein Holzwesen wie du ein Herz haben. Wie kannst du mich vielleicht sogar lieben?“ sprach der Zwerg tief traurig, während er das Haus verließ.
Nachdem er seine Arbeit im Bergwerk getan hatte, begab er sich erneut zur Hexe Helena.
„Es hat nicht funktioniert!“ „Was ich habe dir das falsche Pulver gegeben? Ich habe doch ganz genau wie es in diesem Buch steht die Zutaten…“ jammerte Helena aufgebracht. „Nein, es war keine gute Idee. Ich kann mich nicht in ein Stück Holz verlieben! Gib mir bitte den Gegenzauber!“ Helena gab ihm ein rotes Pulver mit, welches er diesmal bei Sonnenuntergang anwenden sollte, damit das Holzwesen wieder eine einfache Holzfigur werden konnte.
Er tat alles so, wie es ihm gesagt wurde. Nur ein leises „Danke!“ konnte er von der Holzfrau noch vernehmen. Dann wurde es still im Haus. Lange dachte er nach. „Wenn du mir schon keine Liebe schenken konntest, dann spende mir wenigstens Wärme in der Nacht!“ sprachs und trug die Figur zum Holzbock, wo er sie mit wenigen kräftigen Schlägen zu Brennholz spaltete.
Er machte sich ein Feuer vor seinem Haus und blickte traurig in die Flammen. Leise knisternd stiegen die Funken in den Himmel auf und als er schon halb im schlaf war, hörte er noch einmal die Stimme der Frau aus Holz. „Du wirst bald glücklich sein, sehr bald…“
Und während ihn ein paar kleine Tränen aus den Augen liefen, schlief er tief und fest auf seiner Gartenbank ein.
Der Morgen kam und unser Zwerg wurde durch einen angenehmen Duft geweckt. Pilzkaffee! Den hatte er so lange nicht mehr gehabt! Aber wer hatte ihm…
Er schlug die Augen auf und vor ihm stand eine wunderhübsche zierliche Zwergenfrau, die er schon einige Male im Dorf gesehen hatte. „Du warst zu lange allein und da dachte ich…“
Wie die Geschichte weiterging, weiß ich nicht. Doch ich glaube, die beiden wurden ein glückliches Paar und lebten noch viele viele Jahre zusammen.
Super! Die Geschichte nahm noch ein romantisches Ende.
AntwortenLöschenLG, xAngelx