Kurz nachdem die wärmenden Sonnenstrahlen des noch jungen Jahres das Eis zum Schmelzen brachte und die ersten grünen Fleckchen hervortraten, erwachte wieder das Leben auf der Wiese. Der Winter war lang und hart und die Tiere und Pflanzen freuten sich auf die kommende Zeit. Die ersten Schneeglöckchen zeigten sich und ein paar Gräser richteten sich wieder auf. Insekten krochen aus Ihren Verstecken und wurden oftmals sogleich die leichte Beute hungriger Vögel.
So kam das Frühjahr heran und überall begann es zu wachsen und zu blühen. Überall auf der Wiese begannen Blumen zu wachsen. Nur eine Blume hat so gar nicht Lust, Ihren Kopf zu recken und Sonne zu tanken, und fleißig zu wachsen. Es war einfach zu faul. Stattdessen schnatterte es mit den kleinen Moosblüten in der Nähe ihrer Wurzeln herum und wollte auch niht die Ermahnungen der anderen Blumen hören. „Wenn du nicht wachsen willst, dann wird es noch ein schlimmes Ende mit dir nehmen!“ warnten sie die anderen. Doch unserer faulen Blume war das gleich.
Die Zeit verging und die Blumen wurden größer und prächtiger. Einige von ihnen waren besonders groß, denn sie waren Sonnenblumen. Und während es den anderen Blumen wunderbar ging, fühlte sich die faule Blume immer schlechter und schwächer. „Dir fehlt das Sonnenlicht! Schade, du hättest auch so eine schöne große Sonnenblume werden können, wie die anderen. Aber so wird dich der Gärtner als welkes, krankes Ding bald herausreissen.“ Meinte ein Marienkäfer, der gerade durch die Wiese lief. „Aber was soll ich denn tun? Ich will doch nicht sterben! Du musst mir doch helfen!“ „Ich kann dir nicht helfen, das kannst du nur alleine schaffen. Frag heute Nacht die Glühwürmchen. Vielleicht haben die eine Idee.“
Die Nacht brach an und mit ihr begann auch der Tanz der Glühwürmchen. Und als sich eines bei unserem traurigen Blümchen verirrte, fragte sie es. „Das ist gut, dass du deine Faulheit bereust. Du spürst ja, was es dir eingebracht hat. Aber du hast Glück, wir haben Vollmond. Sieh immer auf den Mond! Spüre, wie er dich zu sich herauf zieht! Das wird dir helfen.“ Sprach das Glühwürmchen und war verschwunden, ehe das Blümchen sich bedanken konnte.
„Also gut!“ sagte sich das Blümchen. „Ich schaffe das!“ Es schaute auf zum Mond und nach einer Weile spürte es, wie es in ihm kribbelte und krabbelte, so als ob tausend Ameisen durch sie hindurch marschieren würden. Es begann zu wachsen, zuerst nur ein kleines Stück, aber dann immer schneller und schneller. Und es wuchs unglaublich schnell. Während die anderen Blumen schliefen, wuchs es über deren Köpfe hinaus, war bald größer wie die größte Sonnenblume im Garten, größer als die Bäume. Und es wuchs weiter und weiter. Der Mond wurde immer größer, je näher es ihm kam. Es war ein wunderbares Gefühl zu wachsen. Und bald reichte es bis zum Mond.
„Was machst du hier? Gehörst du nicht auf die Erde?“ fragte der Mond erstaunt. „Ich stehe mit meinen Wurzeln unten auf der Erde und mein Blütenkelch ist jetzt bei dir hier oben. Ich möchte mich bedanken, daß du mir das Leben gerettet hast.“ „Ich habe nichts getan. Ich leuchte schon immer, aber nur wenn die Sonne mich anstrahlt. Sonst bin auch ich dunkel. Und das mit dem Wachsen, gut, etwas geholfen habe ich dir. Ich hatte dich beobachtet und du tatest mir leid. Aber das meiste hast du ganz alleine geschafft. Du kannst wirklich stolz auf dich sein. Das kommt höchstens aller 100 Jahre einmal vor, dass eine Blume bis zu mir hochwächst. Doch es ist jedes Mal schön.“ „Und jetzt? Was passiert jetzt?“ „Jetzt wirst du wieder kleiner.“ Nein! Das möchte ich nicht!“ „Ach, du wirst nur wieder so klein, wie die größte Sonnenblume in deinem Garten. Die anderen werden staunen, wenn sie am Morgen erwachen.“
Und so war es denn auch. Keiner hatte von dem Wunder in der Nacht etwas mitbekommen. Aber alle staunten und freuten sich, dass unser faules Blümchen sich doch noch entschlossen hatte, groß und stark zu werden.
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